Nachruf von Gerwin Schmidt

Rolf Müller – Gestalter

In der Nacht vom 18.02.2015 ist unser geschätzter Kollege Rolf Müller gestorben. Er war mir ein guter Freund und väterlicher Ratgeber. Schon in frühen Jahren hat er sich, nach seinem Studium an der HfG Ulm, mit seinen Arbeiten unter Otl Aicher für die olympischen Sommerspiele 1972 in München und durch den Gewinn des Wettbewerbs für das Erscheinungsbild der Kieler Woche 1972 die Anerkennung der internationalen Designszene erworben. Mit seinem Münchner Büro war er in Folge einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Kommunikationsdesigns, und hat zahlreichen Erscheinungsbildern durch seine präzise gestalterische Handschrift eine einzigartige und originäre Form verliehen. 1976 wurde er in die AGI (Alliance Graphique Internationale) aufgenommen, für die er 1980 (München) und 1989 (Alpbach) zwei internationale Kongresse organisierte und deren internationaler Präsident er von 1992 bis 1994 gewesen ist. Durch seine Arbeit als Herausgeber und Gestalter der Zeitschrift „HQ – High Quality“ für die Heidelberger Druckmaschinen AG (1985 bis 1988), zeigte sich seine gestalterische und empathische Neugierde an der Welt und ihren Zusammenhängen sowie seine große Lebenslust in sichtbarer Form. Er war trotz der eigenen gestalterischen Überzeugungen nie ein „Gestriger“, sondern immer interessiert an allem Neuen und jederzeit dazu bereit, über Gestaltung leidenschaftlich zu diskutieren. Nicht ohne Grund haben viele junge Gestalter ihre ersten beruflichen Schritte in seinem Büro unternommen oder zumindest seine Nähe gesucht. Seine Lehrtätigkeit an der FH Dornbirn (Österreich) und später an der Schule für Gestaltung Ravensburg (Deutschland) – wo er bis zum letzten Jahr lehrte – hat ihn mit viel Freude und Energie erfüllt. Er hat den Austausch mit den Studierenden, auch mit zunehmenden körperlichen Einschränkungen, immer als große Bereicherung und Motivation empfunden. Wie Rolf immer wieder, trotz Krankheiten und schweren persönlichen Schicksalsschlägen, mit großer Zähigkeit das Leben genossen und gesucht hat habe ich stets an ihm bewundert. Gerade in den letzten zwei Jahren hat er noch mal viele Reisen unternommen und hat das was für ihn lebenswert war regelrecht aufgesogen. Die späte Anerkennung für seine Lebensleistung, wie etwa den Designpreis der Stadt München (2008) und vor allem das Erscheinen seiner Monografie in der Buchreihe A5 im Lars Müller Verlag (2014), haben ihm noch einmal sehr viel Bestätigung gegeben und ihn mit großer Freude erfüllt. Ich war sehr froh für ihn, dass er diese Würdigung seiner Arbeit noch miterleben durfte. Ich werde die angeregten Gespräche mit ihm sowie seine grundlegenden Einschätzungen zur Gestaltung und generell zur Entwicklung unserer Gesellschaft sehr vermissen. Mein herzliches Beileid gehört seiner Tochter Anna Lena von Helldorff, die ihn in den letzten Jahren liebevoll unterstütz hat und allen, die ihm in Freundschaft verbunden waren.

Gerwin Schmidt

 

Prof. Gerwin Schmidt hat den Nachruf ursprünglich für die AGI verfasst. Vielen Dank Gerwin, für die freundliche Genehmigung den Text übernehmen zu dürfen

 

Rolf Müller bei den Vorbereitungen seiner Retrospektive bei der Typografischen Gesellschaft 2009

Rolf Müller Ausstellung Februar 09

 

Boris Kochan hält die Eröffnungsrede

Rolf Müller

 

Rolf Müller Vernissage Februar 09

 

Präsentation der Monografie bei Literatur Moths, München 2014

RolfMueller04 - 23

 

RolfMueller04 - 42

 

Rolf Müller zeigt den beiden Schwestern Cosima und Lydia die Stadt Nîmes in Südfrankreich 2014

Toechter

 

Gerwin Schmidt im Garten des Anwesens von Rolf Müller im Gespräch mit dem Architekten Heinz Wondra 2015

RolfMuellerTrauerfeier - 298