Nein

Nein (1994) High Quality, Zeitschrift über das Gestalten, das Drucken und das Gedruckte, Heft 30 3/1994, S. 25, 26, 27, 28, 57

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S. 26-28: Rolf Müller über den Umgang mit Ablehnung

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Der Entwurf blieb nur Entwurf.

Er wurde abgelehnt, aus welchen Gründen auch immer. Manche nehmen´s auf die „leichte Schulter“, manche nehmen es zum Anlaß, über die kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhänge nachzudenken, manche sind einfach nur beleidigt oder leiden gar.

Abgelehnt zu werden, ist eine stets gegenwärtige Bedrohung: es geschieht oder es geschieht nicht.

Ich habe alle nach Beispielen gefragt, die zur AGI (Alliance Graphique Internationale) gehören. Dies ist eine Gruppe von etwa 230 Gestaltern aus aller Welt, die sich mit hohem Anspruch zusammengewählt haben und ohne berufsorganisatorische Ambitionen ich um das höchstmögliche Niveau in der grafischen Gestaltung zu verständigen versuchen.

Ich habe die vielen verschiedenen Einsendungen nur registriert, nicht bewertet. Mir wurde während der Zeit des Sammelns und Ordnens immer deutlicher, dass dieser Prozeß der Ablehnung von kreativer Leistung das ist, was man „Kulturkampf“ nennen könnte: auf der einen Seite mit den Waffen der Augen, auf der anderen Seite mit den Waffen der Macht in ihren vielen Erscheinungsformen.

Ich wurde nachdenklich, als ich die nachfolgenden 56 Seiten im Entwurf durchblätterte: Ist der Entwurf schon die eigentliche Realität des Gestaltens und des Gestalters? Und die Umsetzung in Reproduktion nur nachgestaltete Rechtfertigung des Entwurfs? Sollte mancher Entwurf vielleicht nur Entwurf bleiben, um nicht in der Reproduktion entkräftet oder gar zerstört zu werden?

Rolf Müller 1994

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Rolf Müller, München. Entwicklung eines Zeichens für das Büro- und Einkaufszentrum Palais am Lenbachplatz in München, 1993

„Eine der großen und kostbaren Immobilien aus dem letzten Jahrhundert, das Palais Bernheimer, mitten in München am Lenbachplatz gelegen, reich geschmückt in neo-barockem Stil, sollte in ein Business-Center mit Boutiquen in teurer Ausstattung verwandelt werden. Ich wurde mit der Zeichensetzung beauftragt.

Der Entwurf beinhaltete sowohl ein Zeichen für den Einsatz in der Architektur (links und Mitte) als auch ein analoges Zeichen für die zweidimensionale Anwendung (rechts). Nach der Präsentation, die erfolgreich verlief:

Schweigen. Gott sei Dank. Denn der Auftraggeber ging kurz darauf auf spektakuläre Weise bankrott und verschwand. Hätte ich weitergearbeitet und das Konzept realisiert, säße ich heute auf einem Haufen unbezahlter Rechnungen.“

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