Rede von Hans-Georg Kueppers

Verleihung des Kunstpreises und Design Preises 2008 (im Bild ein Ausdruck des Redemanuskripts)

Kulturreferat

an Stefan Huber und Rolf Müller

am Dienstag, 8. Juli 2008, 20 Uhr, Altes Rathaus

Rede von Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München

 

Anrede,

ich freue mich sehr, dass heute an die beiden Künstler und Gestalter, Stefan Huber und Rolf Müller der Kunst- und Design-Preis verliehen wird, denn beide – Persönlichkeiten Ihrer Metiers – sind nicht nur mit der eigenen Karriere beschäftigt – das selbstverständlich auch –, sondern sie sind vor allem auch Stil-prägende Lehrer für Ihre Schüler und Mitarbeiter – auch das ist Teil ihres Oeuvres.

Über die unbestrittene hohe Qualität ihres Werkes werden wir von den beiden Laudatoren gleich versierte Einsichten erlangen – hoffe ich.

Was mir zu erwähnen ebenso wichtig scheint, ist die Auseinandersetzung beider Preisträger mit jungen Designerinnen und Designern und Künstlerinnen und Künstlern und der Dialog, der dazu von Stefan Huber wie von Rolf Müller auf höchstem Niveau geführt wird.

(…)

Im „Alltag der Widersprüche“ fühlt sich nach eigener Aussage auch Rolf Müller wohl. Für ihn bleibt der spannungsvolle Dialog zwischen Kunst und Anwendung ein Antrieb. In einem Interview, in der von ihm herausgegeben renommierten Design-Zeitschrift HQ – High Quality, hört man von ihm: „Der Ulmer Disput hat mich nicht entlassen. Es diskutiert in mir weiter: Bin ich Autor oder Übersetzer. Bin ich Teil des Ganzen oder Robinson Crusoe? Auch wenn sich die Bedingungen des Gestaltens geändert haben, der Konflikt bleibt: Die Positionierung zwischen Künstleratelier und Labor für visuelle Kommunikation.“ (Rolf Müller aus High Quality 2.1994)

Damit diese fruchtbare Spannung auch garantierter Bestandteil des Arbeitsprozesses bleibt, hat Rolf Müller für sein Büro ganz eigene Methoden entwickelt: In unkonventioneller Weise zwingt er dabei auch seine Mitarbeiter, offen zu bleiben und den Bezug zu Dimensionen außerhalb der schönen neuen Medienwelt nicht zu verlieren. Das geht ganz einfach: Stellen sie sich vor, für 3 Mitarbeiter stehen nur 2 Computer zur Verfügung. Was zur Folge hat, dass man sich arrangieren, absprechen und in sozialen Dialog mit den anderen treten muss. Diese Taktik verschafft für Rolf Müller in einfacher Weise auch die nötige Distanz zum trügerischen Werkzeug. Sie sehen: Mangel macht kreativ.

Als Anregung daraus wird für mich noch zu prüfen sein, inwiefern ein solches kreatives Modell sich auf die Verwaltung übertragen lässt… Vielleicht 3 Stühle für 5 Leute.

Wie rigoros und angstfrei sich Rolf Müller auch im Feld der Werbegrafik für Qualität einsetzt, zeigt sein Umgang mit Kunden: Die haben nämlich nichts mitzureden, um die Qualität der Gestaltung nicht zu verwässern, und sind dennoch, oder gerade deshalb gerne bereit, den Vorschlägen Rolf Müllers zu folgen. Rolf Müller betrachtet seine Arbeit als beauftragte Kommunikation, bei der man auch den Auftraggeber für seine Arbeit, für die dahinter liegenden Inhalte und wissenschaftlichen Tatsachen sensibilisieren muss. Das ist das Gleiche wie bei uns im Referat.

Meine Damen und Herren,

Bildung besteht nicht zu einem geringen Anteil aus den Reibungspunkten die im öffentlichen Raum entstehen, aus der Kommunikation, die von ästhetischen und inhaltlichen Reizen dort eingefügt werden. Immer öfter prägen gutes Design und Kunst – und ich möchte diese beiden Begriffe nicht gegeneinander ausspielen – unseren alltäglichen Raum auch hier in München – Stefan Huber und Rolf Müller haben in ihrer unaufgeregten, aber wirkungsvollen Art hierbei Vorreiterrollen gespielt.

Ebenso unaufgeregt, ohne unnötigen Pomp und vorgetäuschtem Glamour, aber mit umso mehr Respekt ehren wir im ältesten und ehrwürdigsten Saal dieser Stadt die beiden großen Persönlichkeiten. Aber eigentlich ehren Sie die Stadt München dadurch mindestens ebenso sehr damit, dass wir Ihnen diese Preise für Ihr Wirken in München und aus München heraus verleihen dürfen. Habe die Ehre!

 

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Dr. Hans-Georg Küppers